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Ringvorlesungen zur Islamforschung im
europäischen Kontext VII
Ringvorlesungen zur Islamforschung im europäischen Kontext VI: Wie viel Islam verträgt Europa? - Goethe-Universität

Ringvorlesungen zur Islamforschung im europäischen Kontext VII

Wie viel Europa verträgt der Islam?

Das Heimischwerden des Islam in Deutschland: Möglichkeiten, Spannungsfelder, Perspektiven

Das Frankfurter Modell auf dem Wege der Etablierung einer islamischen Theologie versucht, in seinem Forschungsschwerpunkt „Islam und Muslime in/und Europa" den klassischen islamischen Disziplinenkanon mit geistes- und sozialwissenschaftlichen Fragestellungen zu konfrontieren, um sich notwendige Diskussionsfelder zu vergegenwärtigen und den Kanon auf Europa bezogen zu kontextualisieren und dabei aktuelle Entwicklungen mit wissenschaftlicher Forschung- und Lehre zu verbinden. Dabei sollen allen voran den Studierenden die tatsächlichen gesellschaftlichen Problemfelder sowie die methodologischen und theoretischen Herausforderungen durch interdisziplinäre kritische Fragestellungen nahe gebracht werden. Daher werden unsere vortragenden Gäste aus verschiedenen Disziplinen besonders gebeten, diese richtungsweisend zu formulieren und Denkanstöße zu weiteren Forschungen zu geben.

Die Ringvorlesung im WS 2010/11 ist die unmittelbare Folge der Vorlesungsreihe im Sommersemester 2010 mit der Umkehrung der Fragestellung. Wir gingen von der Frage „wie viel Differenz Europa verträgt" aus und differenzierten zunächst die europäischen und islamischen Sichtweisen, um zielgerichtet und perspektivisch über Möglichkeiten, Spannungsfelder, Perspektiven der Einbürgerung bzw. des Heimischwerdens des Islam nachzudenken. War dort der Diskussionszusammenhang „wie viel Islam Europa verträgt?", ist er nun umgekehrt: „Wie viel Europa verträgt der Islam?" Folgerichtig werden die Muslime gefragt, wie sie sich die Integration in gesamtgesellschaftliche Strukturen und (Sub-)Systeme und Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen vorstellen. In welchen Kontexten sehen sie sich soziopolitisch, kulturell und theologisch herausgefordert? Welche Anpassungs- bzw. Erneuerungsnotwendigkeiten und Handlungsoptionen leiten sie aus ihren Analysen heraus? Selbstkritisch aber auch selbstbewusst sollen sie mit der Frage „wie viel Anpassung ihre islamische Identität aushält" konfrontiert und über die Koexistenz bzw. Vereinbarkeit eines islamischen und gleichzeitig europäischen Lebens diskutiert werden. Schließlich handelt es sich um die Frage, wie sich die Muslime in der „Diaspora“ oder in der „neuen Heimat“ in einer mehrheitlich nichtmuslimischen westlichen Gesellschaft eine neue theologische, intellektuelle und politisch-gesellschaftliche Standortbestimmung vornehmen.

Die Ringvorlesung hat zwei zielgerichtete Intentionen: Sie möchte erstens die Grundsatzfragen an den Islam und die Muslime im europäischen Kontext aus der muslimischen Binnenperspektive heraus behandeln und zweitens aus diesen Analysen spezifische Fragestellungen gewinnen, die die akademisch zu etablierende islamische Theologie bzw. islamischen Studien in ihrem Forschungsbetrieb aufgreifen sollen. In der ersten Dimension soll es vordergründig um die muslimische Rezeption und wissenschaftliche Ausarbeitung dieser Herausforderungen gehen. Wir sind der Auffassung, dass die muslimisch-akademische Elite sich aus ihrer apologetisch-defensiven Position hinauswagen und dafür von der Zurückhaltung der Kritik an ihre eigenen Gedankenwelten und von der Scheu vor unangenehmen „Wahrheiten“ befreien muss. Aus diesem Grunde möchten wir unsere muslimischen Gäste im kommenden Semester bitten, allen voran die innermuslimische Debatte aufzugreifen und ihre Probleme, Fehlentwicklungen und Defizite zu analysieren und Selbstkritik auszuüben.

Im Anschluss der Ringvorlesung werden die Beiträge in einem Band veröffentlicht, in dem der innerislamische Diskurs über Grundsatzfragen der deutschen Öffentlichkeit präsentiert werden. Daher bitten wir unsere Gäste, Ihren Vortrag für die Publikation druckreif zur Verfügung zu stellen.

Program (pdf)




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